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Ist
die Desinfektion des Wurzelkanalsystems möglich?
Frage:
- Sind
die augenblicklich angewandten Methoden der Desinfektion
wie sie heute in der Zahnheilkunde verwendet werden,
in der Lage Bakterien abzutöten, die in den Dentinkanälchen
von infizierten Zähnen sitzen?
- Was
sagen internationale Studien dazu?
1.
Die Herausforderung ein Wurzelkanalsystem zu desinfizieren
Blum, Michailesco, and Abadie. (1997). J. Endod.
23:583.
Zusammenfassung:
a) Der Zentrale Hauptkanal ist immer von Millionen Dentintubuli
dreidimensional umgeben, die groß genug sind um
Bakterienbesiedelungen zuzulassen und auch Besiedlungen
von Hefen und Pilzen.
b) Zähne haben zusätzlich zum Hauptkanal viele
laterale und zusätzliche Kanäle.
c) Regelmäßig können auf Röntgenaufnahmen
nur die Füllungen der Hauptkanäle aber
nicht die Füllungen dieser zusätzlichen Nebenkanäle
dargestellt und kontrolliert werden.
2.
Kann diese Herausforderung durch chemische Desinfektion
klinisch befriedigend geklärt werden?
Moritz et al., (1997). J. Am. Dent. Assoc. 128:1525-1530
Zusammenfassung:
1. Eine Sterilität eines Wurzelkanals kann niemals
erreicht werden weil die Durchmesser der Tubuli für
Mikroorganismen in den lateralen Kanälen und Dentintubuli
zu klein sind um diese durch Instrumente oder Beflutung
mit desinfizierenden Lösungen erreichen zu können.
2. Darüber hinaus waren einige der untersuchten
Wurzelkanäle von Hefen besiedelt.
3. Cavalleri und Kollegen (J. Chemother. 1989) konnten
eine große Zahl von hauptsächlich gramnegativen
Bakterien abtöten indem sie wiederholt die Wurzelkanäle
mit Natriumhypochlorid spülten. Jedoch die grampositiven
Bakterien sowie Streptococcus lactis und Aerococcus
blieben erhalten.
4. Vahdaty und Kollegen (Endod Dent. Traumatol., 1993)
führten in vitro-Teste mit Enterococcus faecalis
aus. Obwohl eine festgestellte Reduktion in der Zahl
der Bakterien erreicht wurde blieben 50% des untersuchten
Dentins infiziert.
3.
Genügt die chemische Desinfektion?
Moritz et al., (1997). Lasers Surg Med. 21:221-226.
Zusammenfassung:
...allerdings kann Sterilität des Wurzelkanals
nicht erreicht werden weil Mikroorganismen in den laterale
Kanälchen und Dentintubuli weder durch Instrumente
noch durch Desinfektionsspülllösungen entfernt
werden können aufgrund des kleinen Durchmessers
der Tubuli.
4. Anaerobier dringen obligat in die
tiefen Schichten des Wurzelkanaldentin ein.
Ando N. and Hoshino E. (1990). International Endodontics
Journal 23:20-27.
Zusammenfassung:
In den tieferen Schichten von infizierten Wurzelkanälen
wurden Bakterien entdeckt ungefähr 0,5 bis 2mm
jenseits der Wurzelkanal-Dentingrenze. Wenn jedoch
Bakterien in den tieferen Schichten des Wurzeldentins
verbleiben ist es möglich dass diese in die periapikale
Region hinauswandern und dort Komplikationen verursachen.
5.
Fehlschläge bei endodontischer Behandlung und ihre
Ursachen
1Louis M. Lin, BDS, DMD, PhD, 1Joseph E. Skribner,
DDS, and 2Peter Gaengler, DDS, PhD
1Department of Endodontics, University of Medicine
And Dentistry of New Jersey, Newark, N.J. and
2Department of Conservative Dentistry, Erfurt
Medical Academy, Erfurt, Germany
Journal of Endodontics (1992)18:625-627.
Zusammenfassung:
236 Fälle endodontischer Fehlbehandlungen wurden
klinisch analysiert. Die histobakteriologische Untersuchung
der Biopsie-Proben enthüllten, dass Bakterienbesiedlung
in 157 (=67%) der Fälle vorhanden war. Diese
Untersuchung liefert den Beweis, dass der Hauptfaktor
für endodontische Fehlschläge die Anwesenheit
und Fortdauer bakterieller Infektionen im Wurzelkanal
oder im periradikulären Gewebe ist.
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